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Von der Kunst, auf dich selbst zu hören

„Deine innere Stimme zu hören ist eine Frage deiner Achtsamkeit, ihr auch zu folgen eine Frage deines Mutes.“ – Unbekannt


Long time no read – könnte man passenderweise sagen. Denn ich habe eine ganze Weile nichts mehr von mir hören bzw. lesen lassen. Und das so kurz nach der Namensänderung meines Blogs. Doch das hat einen Grund. Denn ich habe einiges für mich reflektieren müssen und bin in letzter Zeit viel in mich gegangen. Ich war somit nicht nur hier kaum aktiv, sondern auch auf Instagram. Ich brauchte einfach Zeit für mich. Was mich in dieser Zeit so beschäftigt hat und was es mit dem Titel dieses Blogartikels auf sich hat, erfährst du, wenn du weiterliest. Viel Spaß dabei und ich hoffe, du kannst etwas für dich mitnehmen :).


Wie alles seinen Anfang nahm

Das Ganze fing um Weihnachten herum an, als ich durch verschiedene Momente, die mich triggerten, merkte, dass ich in einigen Bereichen noch viel zu sehr im Außen unterwegs war und nicht auf mich hörte. Ich wollte es anderen recht machen, wollte gefallen und einfach gut genug in den Augen meiner Familie und Mitmenschen erscheinen. Den Höhepunkt erreichte ich dann schließlich Anfang März als ich mit meiner engsten Freundin auf des Thema „Intermittierendes Fasten“ (IF, oder auch Intervallfasten) zu sprechen kam.


Meine Anfänge mit Intermittierendem Fasten

Dazu ein kurzer Einschub: Ich hatte ungefähr im Mai 2018 mit Intermittierendem Fasten

Alter Wecker: Zeit spielt bei IF eine wichtige Rolle

angefangen. Zuerst 14 Stunden fasten, 10 Stunden essen und dann mindestens 16 Stunden fast und 6 Stunden essen – an manchen Tagen fastete ich sogar 20 Stunden oder mehr. Da mir abends das gemeinsame Essen mit Freunden und Familie sehr wichtig ist und ich das nicht ausfallen lassen wollte, musste ich wohl oder übel das Frühstück ausfallen lassen. Das fiel mir anfangs besonders schwer, da ich es liebe, zu frühstücken. Damit ich nicht ganz drauf verzichten musste, frühstückte ich dann immer gegen 12 bzw. 13 Uhr und ließ somit eher das Mittagessen weg.


Meine Motivation dahinter war nicht wie bei vielen das Abnehmen, sondern dass auf viele Seiten propagiert wurde, dass Intermittierendes Fasten bei chronisch Kranken besonders hilfreich und unterstützend sein kann. Denn der Körper habe dadurch jeden Tagen ein Zeitfenster, in dem er nicht mit der Verdauung beschäftigt ist, sondern Zeit hat, sich anderen Prozessen zuzuwenden. Es solle sogar die Regeneration des Myelins unterstützen und Symptome lindern. Das hörte sich für mich natürlich alles super an, und half mir gerade in der Umstellungsphase, motiviert zu bleiben.


Diese Ernährungsweise hielt ich somit bis März 2021 (2,5 Jahre) sehr konsequent bis auf einige Ausnahmen im Urlaub, an Feiertagen oder an manchen Wochenenden durch. Und auch wenn ich so gut wie jeden Morgen Magengrummeln und starken Hunger hatte, ignorierte ich ihn und hielt bis zur Mittagszeit durch. Denn ich wollte meinen Körper bei der Heilung unterstützen.


Wie ich anfing, auf meinen Körper zu hören

Doch im März erreichte ich schließlich einen Punkt, an dem mir das alles zu viel wurde. An dem

Ich liebe Essen ;)

ich merkte, dass ich einfach nur funktionierte, anstatt auf mich und meinen Körper zu hören. Mein Körper sagte mir jeden Morgen, dass ich doch bitte etwas essen sollte, und zeigte es mir durch starkes Hungerbauchweh sowie wenig Energie und Konzentration. Als ich dann schließlich beschloss, mal wieder zu frühstücken und einfach zu schauen, wie es mir damit geht, merkte ich bereits am ersten Tag und allen weiteren Tagen, dass ich viel mehr Energie hatte, meine Verdauung mehr in Schwung kam und ich mich einfach besser fühlte. Denn ich tat nicht, was ich irgendwo gelesen oder was eine neue Studie herausgefunden hatte, sondern ich hörte auf mich und meinen Körper. Und mein Körper wollte morgens nun einmal essen – die ach so tollen Vorteile von Intermittierendem Fasten hin oder her.


Als ich dann nochmal ein bisschen zu dem Thema recherchierte, erfuhr ich, dass mittlerweile immer mehr Studien aufzeigen, dass Intermittierendes Fasten bei Frauen deutlich mehr Schaden anrichten könnte als positive Effekte hervorzurufen. Denn die meisten Studien zum IF wurden bisher an männlichen Ratten durchgeführt. Bei Studien mit weiblichen Ratten, sie 12 Wochen intermittierend fasteten, kam heraus, dass ihre Eierstöcke bereits nach nur zwei Wochen geschrumpft waren. Darüber hinaus litten sie vermehrt unter Schlafstörungen im Vergleich zu männlichen Ratten. Fasten bei Frauen kann somit häufig zu einer vermehrten Ausschüttung von Cortisol (Stresshormon) führen, den Hormonhaushalt durcheinanderbringen, Schlafstörungen hervorrufen und sogar die Sexualhormone Östrogen und Progesteron negativ beeinflussen. Warum ist das so? Ganz einfach: Männer haben einen ganz anderen Hormonhaushalt als Frauen und auch evolutionsbedingt sind unsere Körper, Stoffwechsel etc. ganz unterschiedlich.


Wie mir immer klarer wurde, dass ich meine beste Beraterin bin

Diese ganzen Erkenntnisse beschäftigten mich sehr und nahmen mich auch in gewisser Weise ziemlich mit. Denn ich hatte 2,5 Jahre intermittierend gefastet, in dem Glauben, meinem Körper etwas Gutes zu tun, doch im Grunde ignorierte ich dadurch in dieser Hinsicht stur die Signale meines Körpers und richtete eher mehr Schaden an.


Durch meine Coachings und Therapie weiß ich mittlerweile zum Glück, dass wir Menschen immer durch Phasen gehen und dass alles sein darf. Denn aus jeder Phase unsere Lebens können wir etwas lernen und für uns mitnehmen und uns dann entscheiden, es anders zu machen. Anstatt mich also anders als früher selbst zu verurteilen und das Ganze zu dramatisieren, fragte ich mich, was ich aus dieser Intermittierendes-Fasten-Phase für mich mitnehmen kann.


Und dabei wurde mir ein Muster klar, dass ich seit meiner Diagnose gelebt hatte: Ich wollte unbedingt DEN einen Weg finden, um meine MS zu heilen oder sie zumindest zum Ruhen zu bringen und war dafür bereit, alles mögliche auszuprobieren. Was per se nicht schlecht ist, doch irgendwie hatte ich gleichzeitig meine innere Beraterin bzw. meine Intuition ausgeschaltet. Ich tat einfach, was ich irgendwo las, was einigermaßen plausibel klang, andere auch machten und glaubte den ganzen verheißungsvollen Versprechen dieser Ansätze – so auch beim Intervallfasten.


Warum es so wichtig ist, auf dich zu hören

Ich weiß, wie viel Angst einem die Diagnose einer chronischen Krankheit macht. Wie sehr man das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren. Wie einem einfach der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Auf einmal musst du dich mit einer Krankheit auseinandersetzen, von der du vorher vielleicht noch nie gehört hattest – oder nur sporadisch –, versuchen, medizinische und biologische Vorgänge zu verstehen. Auf einmal liegst du im MRT, bekommst Kontrastmittel, machst unzählige Tests, hörst von Basistherapien und den teilweise sehr beunruhigenden Nebenwirkungen …


Es ist manchmal einfach scheiße und richtig beschissen. Und ja, das darf und muss ich auch auf diesem Blog auch mal so offen und ehrlich sagen.

Du bekommst diese Diagnose serviert und dann sollst du auf einmal starke Medikamente nehmen,

Verzweifelter Mann: Manchmal wächst einem einfach alles über den Kopf

deine Ernährung am besten noch ändern, meditieren und was weiß ich nicht alles, was dir so viele Menschen als wohlgemeinten Rat empfehlen, was bei X und bei Y auf jeden Fall geholfen hat.


Du wirst bombardiert mit neuen Forschungsergebnissen, Heilversprechen und sollst dabei eine Entscheidung treffen, die deine ganze Gesundheit und sogar dein ganzes Leben beeinflussen kann. Das ist und bleibt angsteinflößend, einschüchternd und ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich wollte am liebsten wieder klein sein, damit ich diese ganzen Entscheidungen nicht treffen muss.


Bei dieser ganzen Flut an Informationen und damit verbundenen Gefühlen, Emotionen und Ängsten ist es vollkommen normal und absolut verständlich, dass du nicht mehr weißt, wohin mit dir und dass du den Kontakt zu dir selbst, zu deiner Intuition verlierst. Dass du irgendwann einfach alles mögliche versuchst, was man dir empfiehlt, um Heilung zu finden. Das ist menschlich. Ich bin die Erste, die dich versteht, denn mir ging es genauso.


Doch welche Frage wir dabei schnell vergessen und was meiner Meinung nach nicht oft genug fragen können: Wie fühlt sich dieses Medikament/Therapie/alternative Ansatz etc. für dich an? Was braucht es gerade für dich? Wie können wir dich (und auch ich mich selbst) unterstützen, deine für dich stimmige Entscheidung zu finden?


Dein Leben, deine Regeln

Ich weiß, ich habe es schon in so vielen Artikeln gesagt, aber es ist und bleibt eine meiner wichtigsten Botschaften an dich: Es ist DEIN Leben. DU entscheidest. Und das Schöne ist, dass du Entscheidungen für neue Medikamente oder auch alternative Ansätze (und auch allgemein alle Entscheidungen im Leben) nicht von heute auf morgen treffen musst. Und sie sind auch nicht endgültig. Du darfst sie wie ein Kleidungsstück mal anprobieren, schauen, wie sie sich anfühlt, wie es sich damit so lebt und dann anbehalten oder auch wieder ablegen. Vielleicht behältst du sie auch eine Weile an und legst sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder ab – um sie dann nie wieder anzuziehen oder doch irgendwann nochmal zu ihr zurückzukehren. Es ist dein Weg hier auf dieser Erde und du allein bestimmst die Richtung.


Und so habe auch ich IF ausprobiert und es jetzt wieder sein gelassen. Rückblickend betrachtet hätte ich das nur viel früher machen können, wenn ich mich nach den ersten paar Wochen oder Monaten ganz ehrlich gefragt hätte, wie es mir damit geht und ob mir dieser Ansatz wirklich gut tut. Doch diese Möglichkeit der Reflexion habe ich mir damals nicht eingeräumt. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich wieder daran zu erinnern, dass ich selbst meine beste Beraterin bin. Und nur weil IF für die Tante von X oder den Freund von Y so super funktioniert hat, muss das bei mir nicht so sein. Heute kann ich sagen: Es war einen Versuch wert. Und ich bin auch für diese Erfahrung dankbar.


Abendsonne, Ruhe, zu sich kommen

Deine Intuition ist deine beste Beraterin

Denn jetzt sitze ich wieder deutlich fester in meinem Sattel und habe mich mit meiner inneren Beraterin verbündet. Sie ist immerhin die einzige, die spürt, was wirklich in mir vorgeht. Und so möchte ich auch dich mit diesem Blogartikel dazu einladen, deine Intuition zu deiner besten Beraterin zu machen und dich nicht von den lauten Hintergrundgeräuschen des Lebens ablenken zu lassen. Ein paar Tipps und Ansätze, wie du dich mit deiner Intuition verbinden kannst, erhältst du im nächsten Blogartikel. Bis dahin lade ich dich ein, dir Zeit für dich zu nehmen, in Ruhe und Stille in dich hinein zu spüren und zu hören, dein Tagebuch mal wieder auszupacken und zu schauen, was da alles hochkommt – alle Gefühle, Gedanken, Emotionen … dürfen sein. Was kommt hoch, wenn du dir Zeit, Ruhe und Stille nur für dich nimmst?

Meine Unterschrift: Deine Julia

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